COOPERATIVE ACTION!

Brasilien: Von Codó in Maranhão bis Petrópolis in Rio de Janiero 

Die Stiftung Cooperaxion engagiert sich zusammen mit lokalen Partner:innen für nachhaltige, soziale und wirtschaftliche Perspektiven marginalisierter Menschen in Brasilien. In der Region Codó im Bundesstaat Maranhão unterstützt Cooperaxion sogenannte Quilombos, Dorfgemeinschaften, die im 18. Jahrhundert von geflüchteten oder freigelassenen Sklav:innen gegründet wurden, in ihrem Kampf um Landrechte und den Erhalt sowie die Weiterentwicklung traditionell betriebener Landwirtschaft. In der Grossstadt Petrópolis im Bundesstaat Rio de Janeiro unterstützt Cooperaxion Projektarbeiten, die Menschen- und Bürger:innenrechte für sozial und ökonomisch benachteiligte Menschen einfordern.

Babaçu Plus


Knacknüsse der Selbstbestimmung

Das Projekt BabaçuPlus für die Verarbeitung von Babaçu-Nüssen im Bezirk Codó des Bundesstaates Maranhão fördert die finanzielle Selbständigkeit von Frauen, stärkt lokale Dorfgemeinschaften und schützt natürliche Ressourcen.
Seit Jahrzehnten ist die Babaçu-Nuss Symbol für die regionale Frauenbewegung und die Rechte der Kleinbauern. In Maranhão bestreiten schätzungsweise 400‘000 Personen ihren Lebensunterhalt mit dem Aufbrechen und Verarbeiten der harten Nuss, die nur in dieser Weltregion vorkommt. Die Nüsse der wild wachsenden Babaçu-Palmen dürfen per Gesetz überall von Kleinbauernfamilien geerntet und genutzt werden. 

Cooperaxion unterstützt BabaçuPlus seit 2008.

Erreichte Ziele seit Projektbeginn:

Empowerment: Die Nussknackerinnen schlossen sich in der Kooperative COOAAFA zusammen. Cooperaxion unterstützt weiterhin die Bewusstseinsbildung der Frauen bezüglich Bürger:innen- und Menschenrechte.
Finanzierung einer Ölmühle: Durch die Bereitstellung einer Ölmühle wurde den Nussknackerinnen die Extraktion von Nussöl für Kosmetika erleichtert.
Produktentwicklung: Arbeitstechniken zur Herstellung von Seifen aus Babaçu-Öl wurden verbessert und professionalisiert, indem das Herstellungsverfahren dem Verwendungszweck der Seife angepasst wurde. 

Projektziel 2021

Hauptziel in der Projektphase 2021 ist die finanzielle Selbständigkeit der Kooperative der Babaçu-Knackerinnen (COOAFA) hinsichtlich ihrer Betriebsleistung. Die Frauen sollen so nicht nur finanziell unabhängig, sondern auch in ihrer Selbständigkeit als Unternehmerinnen bestärkt werden. Das wirtschaftliche Potenzial von Babaçu soll angekurbelt werden, indem die Knackerinnen die Produktionsmittel und den Direktverkauf von Öl selber kontrollieren. Dies erreichen wir, indem durch die Sanierung der Infrastruktur die Qualität des Öls verbessert und durch Ausarbeitung einer Verkaufsstrategie der Absatzmarkt erhöht wird.


Lokale Partnerinnen: Conceição Cruz und Andrea Siqueira von der lokalen Projektträgerin ASFOCO
Begünstigte: 40 Frauen (Mitglieder der COOAAFA, Kooperative der Knackerinnen) 
Budget 2021: CHF 45'714.70

Schlussbericht BabaçuPlus 2020

Onilé


Kampf um die Anerkennung des Landes

Das Projekt Onlié unterstützt Quilombos im Kampf um ihre Landrechte und ihre Existenz, fördert die nachhaltige Landwirtschaft und leistet einen Beitrag zur Eindämmung der Landflucht. 
Im Hinterland von Maranhão kontrollieren grosse Agrarunternehmen enorme Landflächen und deren natürliche Ressourcen. Mit ihren gross angelegten Monokulturen dringen sie in Gebiete ein, wo Kleinbauern und -bäuerinnen seit Generationen von einfacher Subsistenzwirtschaft leben. Der Kampf um die Landflächen ist ungleich und die Bewohner:innen der Quilombos werden oft gewaltsam gezwungen, ihr Land zu verlassen. Die aktuelle Regierung hat sich wiederholt öffentlich für die Enteignung traditionell bewirtschafteter Landflächen ausgesprochen, obwohl den Quilombos in der Verfassung von 1988 das Recht auf ihr Land offiziell zugesprochen wurde. 

Cooperaxion untetstützt das Projekt Onilé seit 2014.

Erreichte Ziele seit Projektbeginn:

Anerkennung des Territoriums: Das Nationale Institut für Kolonialisierung und Agrarreformen (INCRA) wurde durch ein Gerichtsurteil verpflichtet, den Landbesitz für die Quilombos Três Irmãos, Queimadas und Montabarro sicherzustellen.
Schutz der natürlichen Ressourcen: Die Plantagen in den Quilombos werden vollständig biologisch bewirtschaftet.
Mobilität: Durch die Bereitstellung von Transportmöglichkeiten können die Bioprodukte aus den Gemeinschaftsgärten auf dem nächstgelegenen Markt verkauft werden.
Netzwerkarbeit: Die Dorfgemeinschaften sind bezüglich politisch-institutionellen Aktivitäten selbstbestimmter und das Netzwerk zu anderen Gemeinschaften wurde gestärkt. 

Projektziel 2021

Aufgrund der aktuellen politischen sowie der lokalen gewalttätigen Lage wurde das Projekt Onilé umstrukturiert und neu geplant. Unser Engagement für die Landanerkennung setzen wir auf einer strukturellen Ebene fort. Wir unterstützen lokale Menschenrechtsorganisationen, die Quilombos juristisch beraten, um so die lokale Widerstandsfähigkeit zu stärken. Die Stärkung dieser Organisationen ist ein zentrales Element unserer neuen strategischen Ausrichtung, wobei auch dabei die lokale Geschichte und Autonomie der Quilombos respektiert werden. Darüber hinaus wird die Selbständigkeit und finanzielle Unabhängigkeit der Bauern und Bäuerinnen gestärkt, indem neue Strategien für die Vermarktung ihrer Bioprodukte erarbeitet werden.

Lokale Partner:innen: Conceição Cruz und Andrea Siqueira von der lokalen Projekträgerin ASFOCO
Begünstigte
: 460 Personen der Quilombos Três Irmãos, Queimadas, Montabarro, Gostoso und Pati im ländlichen Gebiet der Gemeinde Codó 
Budget 2021
: CHF 30‘360.00 

Schlussbericht Onilé 2019 – 2020
Projektreise Brasilien 2017 (français)

Mehr zum Thema Landkonflikte in Brasilien:
Bericht über Landkonflikte im Inland Brasiliens (Weltspiegel, 03.06.2019).
Hörspiel-Feature über die Geschichte und aktuelle Situation der Quilombos (Deutschlandfunk, 26.12.2017).

Petrópolis


Dem Leben dienen - für die Menschenrechte in Brasilien

Das Zentrum für die Verteidigung der Menschenrechte in Petrópolis (Centro de Defesa dos Direitos Humanos de Petrópolis, CDDH) wurde im November 2018 zu einem neuen Partner von Cooperaxion.* Das CDDH wurde 1979 vom Befreiungstheologen und Philosophen Leonardo Boff unter dem Motto „dem Leben dienen“ (‚servir à vida‘) in Petrópolis (Rio de Janeiro) gegründet. Die Organisation engagiert sich aktiv für die Rechte sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen. Sie prangert  Menschenrechtsverletzungen öffentlich an und bietet juristische und pädagogische Unterstützung für Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. 

Das CDDH ist ein Zusammenschluss interdisziplinären Arbeitsgruppen von Fachpersonen und bietet innerhalb von drei Programmen sechs Projekte an. Cooperaxion unterstützt innerhalb des Programms Cidadania & Direitos Humanos (Staatsbürgerschaft & Menschenrechte) zwei Projekte:

  • Das Projekt Pão & Beleza – Espaços de Cidadania (Brot & Schönheit – Raum für gesellschaftliche Teilnahme) richtet sich an obdachlose Menschen und deckt einerseits ihre Grundbedürfnisse (Nahrung, Hygiene, Kleidung), fördert andererseits durch Rechtsberatung, Alphabetisierungs- und Berufsbildungskurse neue Möglichkeiten der gesellschaftlichen Partizipation. 
  • Das Projekt Resistir na Crise (Widerstand in der Krise) richtet sich an Jugendliche aus prekären Lebenssituationen und bietet Raum, wo sie sich über Erfahrungen mit Rassismus, Homophobie, Gewalt und Drogen, aber auch über alltägliche Sorgen austauschen können.

*Die Zusammenarbeit von Cooperaxion und CDDH basiert auf einem zweckgebundenen Legat. Angesichts der übereinstimmenden Anliegen beider Organisationen wächst die Zusammenarbeit organisch. Beide begleiten und unterstützen traditionelle, marginalisierte Gemeinschaften und Bevölkerungsgruppen und engagieren sich für soziale Gerechtigkeit.

Hier geht es zur Webseite von CDDH in Brasilien.